Netzausbau und Versorgungssicherheit
Wie wird sichergestellt, dass Engpässe im Netz zügig behoben werden?
Die Netzbetreiber müssen die Verteilnetze in einem hohen Tempo leistungsfähiger machen und ausbauen, damit Mobilitäts- und Wärmewende gelingen können. Sie erhalten über den Kapitalkostenaufschlag die nötigen Mittel. Wenn der Netzbetreiber einen Steuerungseingriff vornimmt und auch mit weiteren Eingriffen rechnet, muss er dies in seiner Netzausbau- und Netzertüchtigungsplanung für diesen Netzbereich berücksichtigen und unverzüglich Maßnahmen zur Abhilfe prüfen.
Die Bundesnetzagentur erhöht gleichzeitig die Transparenz. Netzbetreiber müssen Steuerungseingriffe spätestens ab dem 1. März 2025 in einem einheitlichen Format auf einer gemeinsamen Internetplattform detailliert ausweisen. So ist auch für eine breite Öffentlichkeit nachvollziehbar, wenn einzelne Netzbereiche überlastet sind.
Gibt es in Deutschland in Zukunft genug Strom für den Ausbau der E-Mobilität und den Zubau zahlreicher Wärmepumpen?
Ja. Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass bis 2037 ca. 12 Millionen Wärmepumpen installiert werden. Das entspricht einem Verbrauch von ca. 53 bis 69 TWh/Jahr. Die Bundesnetzagentur kalkuliert zudem mit 19 bis 25 Millionen E-PKW für das Jahr 2037. Dies entspricht einem Verbrauch von 46 bis 65 TWh/Jahr. Im Vergleich geht die Bundesnetzagentur für 2037 von einem Bruttostromverbrauch von 899 bis 1053 TWh/Jahr aus.
Neben Wärmepumpen und E-Mobilität sollen im gleichen Zeitraum Erneuerbare Energien weiter ausgebaut werden. Somit werden in 2037 zwischen 904 und 939 TWh/Jahr Strom aus diesen Anlagen CO2-frei erzeugt. Im Vergleich dazu waren es 2022 noch 244 TWh/Jahr.
Kann es durch den verstärkten Einbau von Wärmepumpen und den Einsatz von E-Autos zu Stromausfällen kommen?
Nein. Es ist zwar zutreffend, dass die örtlichen Stromnetze noch nicht flächendeckend ausreichend dimensioniert sind, um die Herausforderungen eines raschen Ausbaus sogenannter steuerbarer Verbrauchseinrichtungen (z. B. private Ladeeinrichtungen für E-Autos und Wärmepumpen) bewältigen zu können. Die lokalen Kabel und Trafos sind nicht immer auf eine solche Belastung ausgelegt. Ein zeitnaher und vorausschauender Ausbau der Verteilernetze ist daher unerlässlich.
Es drohen aber keine Stromausfälle. Genau hierfür hat die Bundesnetzagentur Regelungen getroffen, wie steuerbare Verbrauchseinrichtungen kurzfristig sicher und zügig in das Stromnetz integriert werden können und akuten Überlastungen des örtlichen Netzes entgegengewirkt werden kann.
Verhindert der fehlende Netzausbau in Deutschland eine schnelle Verkehrs- und Wärmewende?
Nein. Generell sind die deutschen Verteilernetze gut ausgebaut. Jedoch können sich die Belastungen in den jeweiligen lokalen Netzen stark unterscheiden.
Der Hochlauf von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen und Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge stellt die Verteilernetze, insbesondere in der Niederspannung, vor Herausforderungen. Solche Anlagen bedeuten teilweise beträchtlich höhere Bezugsleistungen in der Niederspannung.
Zudem ist bei dieser Art von Verbrauchen mit einer deutlich höheren gleichzeitigen Netznutzung zu rechnen. Lokale Leitungen und Transformatoren sind derzeit nicht überall auf eine solche Belastung ausgelegt. Eine zeitnahe und vorausschauende Ertüchtigung von Verteilernetzen ist daher unerlässlich, um den Herausforderungen zu begegnen.
Ertüchtigungsmaßnahmen allein werden jedoch eine schnelle Integration von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen in Verteilernetze nicht gewährleisten können. Damit es beim Anschluss von Wärmepumpen, Ladeeinrichtungen, Klimageräten und Stromspeichern nicht zu Verzögerungen kommt, hat die Bundesnetzagentur zusätzlich ein Vorsorgeinstrument zur netzorientierten Steuerung der Bezugsleistung durch den jeweiligen Verteilernetzbetreiber bei konkret drohenden Überlastungssituationen geschaffen.